Zur Führungskraft wird man meistens aufgrund von fachlicher Leistung oder geschickter Selbstpräsentation. Doch nicht jeder erstklassige Fachmann oder geschickte Self-Manager ist auch gut darin, Mitarbeiter zu führen. Darum kommt es bei manchen Chefs immer wieder zu Problemen mit den Angestellten.

Wir haben die Managementberaterin Carmen Schön gebeten, uns zu erklären, wie man sich als Angestellter in diesem ungleichen Kampf am geschicktesten verhält. Denn ein Streit mit dem Chef kann mit etwas Pech auf dem Arbeitsamt enden. Die Probleme sind so vielfältig wie die Menschen dahinter, aber es gibt doch Muster, die immer wiederkehren. Je nachdem, um was für einen Typ Chef es sich handelt,  gibt es bessere und schlechtere Strategien, mit ihr oder ihm umzugehen. Klickt euch durch die Slideshow, um die Empfehlungen der Karriere-Beraterin zu lesen.

Der cholerische Chef

„Ein cholerischer Chef hat seine Emotionen nicht im Griff und gibt sie ungefiltert an seine Mitarbeiter weiter. Diese sind ein Stück weit der Stimmung der Führungskraft ausgeliefert“, sagt Carmen Schön.

Die Managerberaterin rät im Umgang mit solchen Führungskräften zur Dissoziation: „Ganz wichtig ist, dass der Mitarbeiter sich abgrenzt und versucht, sich die Reaktion des Chefs nicht zu Herzen zu nehmen.“ Auf keinen Fall sollte man Öl ins Feuer gießen, indem man während des Wutanfalls des Chefs in das Geschrei einsteigt. Aussitzen heißt die Devise.

„Man sollte es aber nur so weit über sich ergehen lassen, wie es einem damit noch gut geht. Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Aber ich würde grundsätzlich versuchen, mich nicht mit dem Chef zu streiten, sondern mich dissoziieren, den Chef ausschreien zu lassen und dann versuchen, auf einer soliden Basis wieder miteinander umzugehen.“ Merkt man aber, dass man durch die Beschimpfungen des Chefs immer kleiner wird und sich schlecht fühlt, rät Schön, eine Pause einzulegen. Man könnte zum Beispiel sagen: „Ich glaube, das bringt uns jetzt nicht weiter. Lassen Sie uns in einer Stunde noch mal darüber sprechen.“

Der intrigante Chef

Manche Chefs spinnen Intrigen auf Kosten ihrer Mitarbeiter, verkaufen zum Beispiel beim Geschäftsführer die Arbeit der anderen als ihre eigene oder spielen Kollegen gegeneinander aus.

Carmen Schön empfiehlt Angestellten eines solchen Chefs, so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, also nichts von sich preiszugeben, über das nicht unbedingt gesprochen werden muss. Dringend sollte man jede Information überprüfen, die man von dem Intriganten erhält. „Es kann ja sein, dass der Chef ganz bewusst eine Falle stellt“, sagt die Beraterin. Man sollte sich darum Gedanken darüber machen, wie man sich absichern kann, zum Beispiel durch E-Mails, die Gespräche zusammenfassen, oder Rückfragen bei Kollegen. Auch, wenn man seine Kollegen als Rückversicherung nutzt, sollte man aber aufpassen, was man sagt, so Schön: „Ganz generell sollte man sich nicht zum Spielball machen lassen und auch gegenüber Dritten keinen Kommentar abgeben. Wenn ich mit anderen spreche, beginnen sich Lager zu bilden. Der Chef wird wahrscheinlich darauf einsteigen und man schaukelt die ganze Geschichte unnötig hoch.“

Mittelfristig sollte man den Bereich wechseln, um sich einer solchen Person nicht auszusetzen.

„Menschen, die wirklich böse sind, und Spaß daran haben, andere in die Pfanne zu hauen, sollte man besser meiden“, sagt die Expertin. „Es sei denn, man hat Lust, in das Spiel einzusteigen. Dann sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass man leicht den Kürzeren ziehen kann.“

Der schwache Chef

Manche Führungskräfte spielen gern den Spaßvogel vor der Belegschaft. Solange dabei niemand zum Opfer wird, wird sich darüber kaum jemand beschweren. Anders sieht es aber aus, wenn der Chef einen bestimmten Mitarbeiter auf dem Kieker hat und ihn gerne vor seinen Kollegen lächerlich macht.

Solches Gebaren ist nach Aussage der Managerberaterin ein eindeutiges Zeichen dafür, dass man es mit einem schwachen Chef zu tun hat: „Man sollte sich klarmachen, dass hinter diesem Verhalten ein sehr kleiner Mensch steht. Er muss sich selbst erhöhen, indem er andere klein macht.“ Allein diese Erkenntnis mag vielen schon helfen, die sich immer wieder von ihrem Chef vorgeführt und bloßgestellt fühlen. Der Übeltäter hat möglicherweise viel mehr Angst als man selbst.

In solchen Situationen kann man zwischen zwei Vorgehensweisen wählen, die Erfolg versprechen:

Die „Helmut-Kohl-Methode“ ist für Stoiker geeignet — die Beleidigungen werden einfach ignoriert, man lässt sie durch die Ohren rauschen und macht gar nichts.

Man nutzt so die Erkenntnis, dass nur als Opfer ausgewählt wird, wer sich wie ein Opfer verhält. Darum werden meistens Einzelgänger von den schwachen Vorgesetzten bloßgestellt.

Reagiert man nicht wie erwartet, macht es schon nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr und der Aggressor wird sich ein neues Opfer suchen. Natürlich fühlt man sich nicht unbedingt besser, wenn man Bloßstellungen einfach ignoriert. Dann kann man es auch mit einer anderen Methode versuchen. Mit Schlagfertigkeit lässt sich der Spieß umdrehen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. „Nicht jeder ist schlagfertig. Es kommt einfach darauf an, ob mir in dieser Situation etwas Gutes einfällt“, sagt Carmen Schön. „Es muss aber etwas sein, wodurch der Chef nicht sein Gesicht verliert. Denn in dem Fall wird er sofort zurückschießen.“

Trotzdem muss aber deutlich werden, dass man auch Stärke hat und er aufpassen sollte. Bei der Wahl der Reaktion ist also Fingerspitzengefühl gefragt.

Oder aber, man überlässt die Reaktion einem anderen. „Gut ist es, wenn der Vorgesetzte merkt, dass ich Verbündete habe, die mir im Zweifelsfall beistehen. Meistens werden ja Leute ausgewählt, die eher Einzelgänger sind und von der Gruppe ausgelacht werden.“

Geht das Verhalten des Vorgesetzten Richtung Mobbing, sollte man versuchen, feinsäuberlich alles zu dokumentieren. Notfalls kann man den Chef des eigenen Vorgesetzten einschalten, aber auch hier ist Vorsicht geboten. Man sollte vorher sicherstellen, dass die beiden nicht politisch miteinander verbandelt sind und man sich deshalb mit seiner Beschwerde nur noch mehr Feinde macht.

Der unerfahrene Chef

„Ganz wichtig ist, dass man einen unerfahrenen Chef sozusagen ‚von unten führt‘, ohne dass er das Gefühl bekommt, nicht als Chef respektiert zu werden“, sagt Carmen Schön.

Die Haltung, ihn auch in seiner Unerfahrenheit zu akzeptieren, ist unerlässlich. Er darf niemals das Gefühl bekommen, dass man sich über ihn lustig macht. Stattdessen sollte man ihn stärken, auch zum Beispiel, indem man ihm Lösungsvorschläge macht und ihm einige Sorgen abnimmt. So entsteht eine Win-win-Situation.

„Manchmal ist man sauer und denkt, den Job hätte man selbst besser übernehmen können. Aber ich würde sagen, derjenige ist aus gutem Grund Chef, denn entweder hat er politisch besser gearbeitet oder er hat besseres Fachwissen“, sagt die Expertin. Das sollte man akzeptieren und für sich das Beste daraus machen.

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